Das große Badminton-Turnier steht an und der Trainer hat an alles gedacht:
„Hier ist dein Reise-, Schlaf- und Speiseplan. Da haben wir die Checklisten fürs Aufwärmen, Einspielen und Abkühlen. Und hier die  Aufstellungen für …“ Dann blickt der Trainer seinem „Schützling“ in die Augen:
„Das Wichtigste ist aber:
Spiele selbstbewusst! Setze dich durch!“ Doch wie soll man sich, an so kurzer Leine gehalten, selbstbewusst durchsetzen? Für die  persönliche Entwicklung ist Freiraum genau so entscheidend wie Führung.
Das gilt für Erwachsene – und für junge Menschen erst recht!
FÖRDERN UND FORDERN
Die Übergänge von der Kindheit zur Jugend und von der Jugend ins Erwachsenenalter sind Zeiten des Wandels und der  Weichenstellungen. Dafür brauchen junge Menschen Raum. Raum, in dem sie sich zuhause fühlen und der ihnen genug Platz lässt, sich zu entwickeln. Wo sie sich gleichzeitig als Individuum und als Teil der Gemeinschaft erleben, können sie zu verantwortungs- wie auch
selbstbewussten Menschen reifen. Beide Seiten gehören zusammen, denn ohne starke Persönlichkeit lässt sich Verantwortung nicht tragen. Vereine können und sollten die Jungen in dieser Entwicklung unterstützen, indem sie Hilfe zur Selbsthilfe leisten. Das Prinzip: Führung, Freiraum und Vertrauen. Denn Jugendliche brauchen Orientierung, aber auch den Optimismus, selbst etwas auf die Beine stellen zu
können. Wo könnte man das besser lernen als im Sportverein? Es ist wie im Mannschaftssport: Der Erfolg hängt sowohl vom Teamgeist wie vom Selbstvertrauen ab.
GUTE ENTWICKLUNG DANK ERFAHRUNG UND ERFOLGEN
Verantwortungsgefühl entsteht nicht durch Vorträge. Und Selbstbewusstsein kommt nicht von selbst. Für beide Seiten der Persönlichkeitsentfaltung sind positive Erfahrungen nötig, denn nur was man selbst erlebt und gemeistert hat, hinterlässt
nachhaltige Spuren. Ob im Sport oder im Ehrenamt – folgende „Entwicklungshilfen“ sollte Ihr Verein den jungen Mitspielern geben:
Verantwortungsbereitschaft und Leistungsfähigkeit fördern
Damit junge Menschen lernen, für sich und andere Verantwortung zu übernehmen, brauchen sie eigene Entscheidungsspielräume, zum Beispiel im Rahmen eines Projekts. Geben Sie Ziele vor, aber nicht den Weg. Beratung: ja, unbedingt – Bevormundung: auf keinen Fall. Denn damit sich die Leistungskraft entwickelt, muss sie gefordert werden. Natürlich sollten Sie die Jugendlichen nicht überfordern. Wenn
Sie ihnen aber im Gegenteil zu wenig zutrauen, hemmen Sie ihre Entwicklung eher. Helfen Sie weiter, wenn Schwächen auftauchen und loben Sie ordentlich, wenn Stärken zutage treten. Geben Sie ein zugleich realistisches und motivierendes Feedback. Klar, ganz ohne Fehler geht es beim Lernen nicht. Aber für junge Menschen gilt ganz besonders, dass man (auch) aus Fehlern klug wird. Sie helfen
ihnen, künftig ihre Leistungsfähigkeit selbstkritisch einzuschätzen und künftige Entscheidungen daran zu messen. Lassen Sie deshalb Fehler zu und ziehen Sie ihnen den Stachel: Nur wer nichts tut, macht nichts falsch!
Selbstwertgefühl stärken
Die Selbstbehauptung spielt (vor allem) in der Pubertät eine große Rolle. Aber nicht deshalb, weil sich Jugendliche ihrer selbst so sicher sind, sondern im Gegenteil, weil innere Unsicherheit überspielt werden soll. Vor allem (aber nicht nur) Jugendliche,
die auffallend selbstbewusst daher kommen, brauchen deshalb viele Trainingseinheiten, um das Selbstwertgefühl zu pflegen: Attraktive Aufgaben, die sie bewältigen können und Anerkennung für ihre Leistung. Durch großspuriges Verhalten sollten sich Erwachsene nicht provozieren lassen, auch wenn es schwerfällt. Denn die geläufige Behauptung, dass hinter einer großen Klappe nichts
stecke, trifft es nicht ganz: Dahinter steckt etwas, nämlich ein schwaches Selbstwertgefühl. Das muss aufgerichtet werden! Zahlen Sie deshalb Provokationen nicht mit gleicher Münze zurück, es gibt eine erfolgversprechendere Methode: Wer alles besser weiß, soll es beweisen. Überraschen Sie den jungen Mitspieler, der sich lautstark hervortut – indem sie ihm Verantwortung übertragen. Aber ohne ironischen Beigeschmack und nicht als Falle: Es geht darum, ihn zu integrieren und sein Selbstvertrauen zu fördern. Er darf ruhig erleben, dass manches leichter gesagt als getan ist. Letztlich sollte er die Herausforderung aber (mit der nötigen Unterstützung) meistern können!
Teamgeist kultivieren

Ohne Fair Play wäre der Sport ein wildes Gerangel um Tore, Treffer und Trophäen. Als Vorbild für die Gesellschaft taugt er nur, wenn Sportler und Mannschaften nicht nur auf Sieg spielen, sondern auch auf Fairness setzen. Aber das ist keine Selbstverständlichkeit – man muss es lernen. Am besten schon in jungen Jahren:

  • Trainer sollten faires Verhalten würdigen. Und zwar unabhängig davon, was es gebracht oder gekostet hat. Wenn zum Beispiel ein Spieler den Schiedsrichter zum eigenen Nachteil korrigiert hat, darf sich das zu erwartende Lob nicht in einen Tadel verwandeln – sonst gerät Fairness zu blankem Opportunismus.
  •  Fair Play sollte überall im Verein Achtung genießen. Wie wollte man von Jugendlichen Fairness erwarten, wenn bei den Senioren, sei es auf dem Platz oder in den „Führungsetagen“, die Ellenbogen regieren?
Während sich die Identität im Umbruch befindet, ist es gar nicht so leicht, sich in ein Mannschaftsgefüge einzuordnen. Unsicherheit führt eben manchmal auch zur Abgrenzung. Oder zur Ausgrenzung. Und was schweißt zusammen? Gemeinsam errungene Erfolge! Setzen Sie auf Teamarbeit, denn Aufgaben, die nur in der Gemeinschaft zu lösen sind, fördern die soziale Kompetenz.
Selbstdisziplin unterstützen
Selbstdisziplin gehört zu den weniger begeisternden Übungen im Trainingskalender. Aber sie lohnen sich, denn sie helfen erstens, den inneren Schweinehund so abzurichten, dass er nicht ständig an der Leine zieht. Und machen es zweitens leichter, Frustrationen zu verarbeiten, wenn sich Bedürfnisse nicht erfüllen lassen. Junge Menschen Selbstdisziplin zu lehren, ist allerdings eine Gratwanderung, denn
die Spontanität darf man dabei nicht austreiben. Grundlage des Trainingsplans könnte das Prinzip Geben und Nehmen sein: Wenn junge Sportler Bedürfnisse äußern (die jeder Verein Ernst nehmen sollte), dann könnten Sie die Erfüllung, wenn sie denn im Rahmen der Möglichkeiten liegt, von der Selbstdisziplin abhängig machen: Wer sich mit langem Atem für sein Anliegen engagiert und dafür eigenen
Einsatz bringt, wird belohnt: mit einem Entgegenkommen und mit nicht minder wichtigem Lob.
Konfliktfähigkeit fördern
Eng verbunden mit Selbstdisziplin und der Fähigkeit Misserfolge und Enttäuschungen auszuhalten, ist die Konfliktfähigkeit. Wie geht man mit Interessensgegensätzen um, wie vermeidet man, dass Kontroversen aus dem Ruder laufen? Diese wichtigen Fragen lassen sich am besten durch die Praxis und am überzeugendsten durch positive Beispiele beantworten: Betreuer die nicht selbst auf jede Attacke mit Gegenangriffen reagieren, die es verstehen, spitze Formulierungen zu entschärfen, die sachlich bleiben, statt Aggressionen mit Aggressionen zu beantworten, sind ein gutes Vorbild!
DER DIALOG HAT ZWEI SEITEN
Jugendliche können von Erwachsenen viel lernen. Aber auch umgekehrt. Die Grundlage ist ein ernsthafter Dialog von Älteren und Jüngeren. Und dabei kommt es vor allem auf das Zuhören an! Junge Menschen haben oft das Gefühl, dass Erwachsene nicht wirklich interessiert, was sie zu sagen haben. Dieses Misstrauen lässt sich überwinden, wenn die Vereinsverantwortlichen ein Gespräch auf Augenhöhe beginnen. Wenn sie ernsthaft verstehen wollen, was die Jungen bewegt, was ihnen Freude bereitet und wie sie sich einen engagierten Beitrag für die
Entwicklung des Vereins vorstellen. Fragen Sie nach! Und binden Sie den Nachwuchs in die Umsetzung ein! Das macht Spaß und stärkt das Selbstvertrauen. So wird es Ihrem Verein gelingen, die im vorherigen Abschnitt genannten Bedürfnisse und sozialen Ziele mit Leben zu erfüllen!