Das ist doch selbstverständlich.

Oft wird wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass zahlreiche Menschen freiwillig und ohne Erwartung einer materiellen Entlohnung im Sport mitarbeiten. Laut aktueller Statistik sind es mehr als 2,7 Millionen Menschen, die diesen unschätzbaren und unverzichtbaren Dienst für Gesundheit, Lebensfreude und geselliges Miteinander für über 27 Millionen Mitglieder in Sportvereinen leisten. Sie tun dies in unterschiedlichen Funktionen als Übungsleiter,  Vorstandsmitglied, Abteilungsleiter, Sportwart, Helfer usw.

Die über 500 Millionen Stunden pro Jahr ehrenamtlicher Arbeit schaffen einen enormen Gewinn an Lebensqualität in unserer Gesellschaft und sichern die Zukunft der Sportvereine. Ihnen verdankt der verbandlich organisierte Sport seinen hohen gesellschaftspolitischen Rang und seine Unabhängigkeit.

 

Ehrenamtliche Mitarbeit sichert die Zukunft der Sportvereine

78 Prozent der ehrenamtlich Tätigen bezeichnen ihr Engagement als wichtigen oder sehr wichtigen Teil ihres Lebens.*
Sie sind für Sportvereine von unverzichtbarer Bedeutung: die Vereinsmitarbeiter/ innen, die ihre Fähigkeiten und ihre Zeit für andere Mitglieder zur Verfügung stellen. Sportvereine leben von diesen Freiwilligen. Denn sie sind es, die sich um die Organisation und Verwaltung des Vereins kümmern, die Mitglieder betreuen und ihnen die sportlichen und auch über den Sport hinausgehenden Aktivitäten überhaupt erst ermöglichen.
Ohne sie könnte kein Sportverein existieren. Für viele Mitglieder ist die selbstlose Mitarbeit dieser Menschen völlig selbstverständlich; sie nehmen häufig deren Dienste in Anspruch, ohne darüber nachzudenken oder sich dafür zu bedanken.
Das eigene Sporttreiben steht im Mittelpunkt – und eben nicht der Schiedsrichter, der das Fußballspiel pfeift, die Sportwartin, die sich darum gekümmert hat, dass die Sporthalle regelmäßig zur Verfügung steht, oder der Vereinsvorstand, der die Sportgeräte angeschafft hat.
Höchste Zeit, den hohen Wert dieser Ehrenamtlichen anzuerkennen und nicht als selbstverständlich hinzunehmen. Es reicht eben nicht, den Beitrag zum Sportverein zu zahlen und anschließend mit allen Gegenleistungen zu rechnen. Sportvereine sind lebendige  Solidargemeinschaften, und das bedeutet, dass alle Mitglieder sich für andere Mitglieder engagieren. Deren Tätigkeiten können von den Nutznießern dieser Mitarbeit nicht hoch genug geschätzt werden. Alle aktiven Mitglieder eines Sportvereins und auch der gewählte  Vereinsvorstand sind aufgerufen, die freiwilligen Tätigkeiten „ihrer“ Ehrenamtlichen gebührend anzuerkennen  und ihren herzlichen Dank öffentlich auszusprechen.
Das Engagement im Ehrenamt ist nicht nur für den Sportverein wichtig, sondern hat auch für die Ehrenamtlichen selbst meist einen hohen Stellenwert. Freiwillige Mitarbeit und Verantwortung für andere zu übernehmen ist über den Sportverein hinaus eine wichtige Erfahrung. Denn oft ist sie auch der Ausgangspunkt und das Vorbild für gesellschaftlich wünschenswertes Handeln in allen Lebensbereichen – auch außerhalb des Sports.
Warum stellen sich so viele Menschen in unseren Sportvereinen immer wieder freiwillig zur Verfügung?
Sie wollen
  • die Interessen anderer Menschen vertreten,
  • 
  • einen Teil unserer Gesellschaft mitgestalten und Einfluss nehmen,
  • 
  • Abwechslung vom beruflichen Alltag erleben,
  • 
  • neue Kontakte und Beziehungen mit Gleichgesinnten aufnehmen,
  • 
  • Anerkennung für geleistete Tätig-keiten erfahren,
  • 
  • bisher unbekannte Situationen und Herausforderungen erleben und die Erfahrung machen, diese bewältigen zu können,
  • 
  • die eigene Persönlichkeit stärken und Selbstbewusstsein gewinnen,
  • 
  • durch die Teilnahme an Aus- und Fortbildung neue Kompetenzen erwerben.
Schon dieser kurze Überblick zeigt, dass mit dem Engagement immer auch sehr persönliche Erwartungen an die ehrenamtliche Tätigkeit verbunden sind. Soziales Engagement und persönlicher Nutzen spielen eine gleichberechtigte Rolle. Dabei wird nicht unbedingt finanzielle oder materielle „Rückerstattung“ erwartet. Das Dankeschön der Sportgruppe an die Übungsleiterin, das regelmäßige Zusammensein mit Freunden, der Stolz des Trainers auf „seine“ Jugend-mannschaft, die Würdigung engagierter Mitglieder in der Öffentlichkeit sind nur einige Beispiele für die vielen Möglichkeiten, ehrenamtliche Mitarbeiter auch ideell und symbolisch auszuzeichnen.

Ehrenamtliche verdienen Anerkennung.

In vielen Sportvereinen und -verbänden ist die Würdigung und Anerkennung der ehrenamtlichen Arbeit ein besonders wichtiger Teil der Füh-
rungsarbeit. Dabei ist es von großer Bedeutung, dass der individuell erwartete persönliche Beziehungsrahmen bei der Auszeichnung wahrgenommen und beachtet wird.
Im Allgemeinen ist es sinnvoll, verschiedene Möglichkeiten zu kombinieren. Sie können beispielsweise ehrenamtlich Tätige für besondere
Verdienste mit einer Ehrennadel auszeichnen und gleichzeitig ein Geschenk mit einem angemessenen materiellen Wert überreichen.
Der Sportverein darf von seinen ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern nicht nur Leistungen abfordern, sondern muss bereit sein,
die Mitarbeit zu „belohnen“. Wenn Sie in Ihrem Sportverein dieses Prinzip nicht anerkennen und verwirklichen, laufen Sie Gefahr, dass
Ihre vorangegangenen Bemühungen, Mitarbeiter/innen zu suchen, zu gewinnen und zu qualifizieren, vergeblich waren.
Dazu folgende Vorschläge:
  • Die ideelle Anerkennung ehrenamtlich tätiger Vereinsmitglieder beeinhaltet in der Regel die offizielle Ehrung mit Überreichen einer Ehrennadel und einer Urkunde. Darunter ist aber beispielsweise auch das Dankeschön an den Platzwart auf der Weihnachtsfeier, ein Artikel über die Übungsleiterin in der Vereinszeitschrift oder der öffentliche Händedruck für den Vorsitzenden auf dem kommunalen Sportlerball zu verstehen.

  • Die Qualifizierung ehrenamtlicher Mitarbeiter/innen im Rahmen des Aus- und Fortbildungssystems im organisierten Sport sollte als Auszeichnung und Anerkennung der geleisteten Arbeit verstanden werden und nicht als zeitliche und möglicherweise auch finanzielle Belastung. Erworbene Fachkenntnisse nützen dem Sportverein und sind gleichzeitig ein persönlicher Gewinn für die Mitarbeiter/innen. Die Teilnahmekosten an diesen Veranstaltungen sollte jeder Sportverein aus eigenem Interesse übernehmen und dies als Verpflichtung sehen.
Im Sportverein sind vor allem die Vorstands- oder Abteilungsmitglieder zuständig, die Tätigkeiten der im Verein ehrenamtlich und hauptamt-
lich arbeitenden Mitarbeiter/innen anzuerkennen.

Pflege und Förderung der ehrenamtlichen Mitarbeit durch den Sportverein.

Das Vorstellen einzelner Mitarbeiter/ innen in der Vereinszeitung mit der Beschreibung und Anerkennung ihrer freiwilligen Tätigkeiten, das Bedanken bei den Ehrenamtlichen während der Weihnachtsfeier, die Einladung aller Übungsleiter/innen zu einer Radtour usw. sind Beispiele für informelle und ideelle Auszeichnungen. Das Überreichen der silbernen Ehrennadel mit Urkunde für 20-jährige verdienstvolle ehrenamtliche Tätigkeit im Sportverein ist hingegen als formale Ehrung zu verstehen.
Die Satzungen von Sportvereinen sehen in erster Linie formale Ehrungen vor, die Teil der Ehrenordnung sind und eine lange Tradition haben.

Die Einhaltung dieser Form ist jedoch nicht verpflichtend. So wird z.B. nach 15-jähriger verdienstvoller ehrenamtlicher Tätigkeit die Ehrennadel in Bronze einschließlich Urkunde verliehen, nach 20 Jahren die Ehrennadel in Silber und nach 30 (oder sogar noch mehr Jahren) die Ehrennadel in Gold. Bei besonderen Verdiensten ist auch eine vorzeitige Auszeichnung möglich. Und die ehrenamtliche

Arbeit der jüngeren „sozialen Talente“ sollte ebenfalls gebührend gewürdigt werden.
Wenn Sie sich auf formale und traditionelle Ehrungen beschränken, schließen Sie wahrscheinlich automatisch alle jüngeren Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen von einer Auszeichnung aus.
Ehrenamtlich Tätige stellen nicht nur Zeit für die Wahrnehmung ihrer Aufgaben im Sportverein zur Verfügung, sondern bestreiten häufig
auch Ausgaben für den Verein „aus eigener Tasche“, wie zum Beispiel Telefongespräche oder die Nutzung des privaten PKW für Zwecke des Vereins.
Der Sportverein darf nicht den Fehler machen, indem er das beschriebene finanzielle Engagement von seinen Ehrenamtlichen erwartet und möglicherweise fest einplant, ohne mit den Betroffenen Vereinbarungen und Übereinkünfte getroffen zu haben.

Zum Dank gesellt sich Lob

Lob tut gut und schmeichelt jedem Menschen. Allerdings möchten die Gelobten es auch ernst nehmen können. Lob bedeutet für sie die Bestätigung ihrer Person, ihrer Leistung, ihres Wertes. Deshalb muss Lob glaubwürdig sein. Schmeichelei dagegen wird in der Regel als solche erkannt und weckt Argwohn oder Unwillen.
Vielen Menschen fällt es aber auch schwer, sich loben zu lassen. Das ist ihnen geradezu peinlich, erst recht in aller Öffentlichkeit und vielleicht sogar vor einer großen Zuhörerschar. Die Kunst des Lobens besteht also darin, das Lob zu dosieren und so zu formulieren, dass der Gelobte es problemlos akzeptieren kann.
Da die Anlässe für Lob sehr unterschiedlich sein können, verzichten wir darauf, eine fertige Lobrede vorzustellen. Stattdessen sollen Ihnen die nachfolgend ausgewählten Argumente pro Ehrenamt dienen, eine eigene Laudatio auf die stillen Stars des Sports in Ihrem Verein zu entwerfen.
Danke, den Ehrenamtlichen in unserem Sportverein, denn …
… ohne die ehrenamtliche Mitarbeit von Frauen und Männern, ohne unsere stil-len Stars, stände der Sport morgen still. Kein fröhliches Kindergeschrei in den Übungsstunden, keine übermütigen Teenager zwischen den Toren, keine lebenslustigen Frauen beim Aerobic, keine aktiven Senioren auf dem Wanderweg.
… ihr macht spannende Spiele und Wettkämpfe möglich. Ihr seid zugleich die Stützen des Breitensports. Euch Vorsitzenden und Schatzmeistern, Jugendwarten und Abteilungsleitern, euch Schiedsrichtern und Betreuern – ob weiblich oder männlich – , euch verdanken wir ein attraktives Vereinsleben.
… eure Freizeit könntet ihr auch anders verbringen als in eurer Funktion für den Sport. Ihr hättet mehr Zeit für private Hobbys. Ihr könntet mehr Zeit in der Familie verbringen. Ihr könntet mehr fernsehen, Bücher lesen, ausgehen. Ihr hättet mehr Zeit für Ausflüge, Reisen, Einkaufsbummel.
… ihr sorgt für anderer Leute Vergnügen: pfeift bei strömendem Regen ein Spiel während andere im Trockenen sitzen – bringt den Kids Judo bei, während die Eltern einen freien Abend genießen – schwitzt über der Einnahmen-Ausgaben-Rechnung des Vereins, während andere vor dem Fernseher hocken – fahrt am Wochenende zum Lehrgang, wenn andere sich einen Kurzurlaub gönnen.
… Sport wäre ohne euch unbezahlbar. Wir können uns Sport leisten in unserem Verein – auch bei kleinerem Geldbeutel, weil so viel Menschen ihre Zeit für andere kostenlos zur Verfügung stellen. Müssten diese Tätigkeiten alle bezahlt werden, so käme die Mitgliedschaft etwa sechsmal so teuer, als sie heute ist. Wegen euch ist Sport so preiswert in unserem Verein.
… es geht einfach menschlicher zu. Durch die Tätigkeit der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Sport kommen Menschen miteinander in Berührung, die sich sonst am Arbeitsplatz, im Verkehr oder im Privatbereich nicht treffen würden. Im Sport begegnen sich Junge und Alte, Deutsche und Ausländer, Könner und Anfänger, Gesellige und Einsame. Wegen euch geht es
in unserem Sportverein menschlicher zu.
Aber seien wir offen:
Es bringt ja auch etwas, ein Ehrenamt zu haben. Kein Geld, aber dafür Erlebnisse, die man nicht missen möchte. Man hat etwas zustande gebracht, das es sonst nicht gäbe. Das macht stolz. Man wird von Menschen anerkannt, in deren Leben man eine Rolle spielt. Das macht froh. Man sieht mehr von der Welt, weiß mehr von Menschen und kann etwas, was nicht jeder kann. Das macht selbstbewusst.
Das ist mehr als Geld wert, weil man diese Erfahrungen nicht kaufen kann. Dafür muss man sich und seine Zeit einsetzen, bereit sein, dazuzulernen, Geduld zu haben, Herausforderungen anzunehmen. Wer das einmal erlebt hat, weiß, dass man dabei nicht nur einen Weg zu anderen findet, sondern auch zu sich selbst.

Ein Ehrenamt kann mehr Leben ins Leben bringen.

 

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